Nachruf auf Ingrid Fischer

Über eine liebe Freundin, Mentorin & Kollegin...

Nachruf auf Ingrid Fischer
©Charakterzeichnung von Masami Rehahn...
Nun bin ich alt geworden. Der Körper ist gebrechlich, Der Geist noch nicht - Alles geht langsamer. Doch das Leben, Vergeht schneller - Zu Ende. Wohin? — VERSE AUS DER VERGANGENHEIT von Ingrid Fischer im SPUREN | MAGAZIN - Ausgabe 2, März 2021…

Als ich Ingrid Fischer, damals schon viele Jahre (ja Jahrzehnte) Leiterin und Regisseurin des Kleinen Theaters im Zentrums der Bühnen der Stadt Gera (und später dann Altenburg-Gera), zum ersten Mal begegnete, war mir noch unklar, wie bedeutsam dies sein würde, zu beschäftigt war ich in der Aufregung um meinen Einstieg als Regie-Assistent für die Produktion des Barockwerkes "Aci, Galatea e Polifemo" von Johann Friedrich Händel, welches mit Marionetten, Opernsängern und einem Orchester aufgeführt werden sollte, und die Vielzahl an Aufgaben, die es zu bewältigen galt.

Die Zusammenarbeit mit Frau Fischer, und dem ganzen Ensemble des Puppentheaters, erwies sich als sehr harmonisch und als absoluter Glücksfall, bei dem einfach alles stimmte und welche den Grundstein in der gemeinsamen Arbeit für viele Jahre legte.

Nicht nur für die Arbeit im Theater, die beinahe zu einer Festanstellung geführt hätte, wenn es nach Fischer gegangen wäre, so überzeugt war sie von mir, wofür ich ihr für alle Zeit dankbar sein werde, ein Vertrauen, das ein neues Verständnis in mir wachrief und ein gefestigtes Selbstbewusstsein in mir bewirkte, ja auch und vor allem für unsere Verbindung als Menschen, die weit über die Theaterzeit hinaus, bis zu ihrem plötzlichen Verlassen dieser Welt, ging.

Im Theater führte uns die gemeinsame Arbeit von Gera, nach Meißen und in die Tschechei mit den Aufführungen der Oper.

Später engagierte mich Frau Fischer noch einmal persönlich für die Produktion des "Freischützes", ebenfalls für das Puppentheater, für das ich das Regiebuch verfasste, welches später in den Proben und Wiederaufnahmen der Oper verwendet wurde, weil das Theater selbst es nicht erlaubte, so wichtig war ihr unsere gemeinsame Zusammenarbeit.

Für mich war dies viele Jahre lang eine Quelle des Stolzes und natürlich auch der Erfahrung, eine Zeit, die mich geprägt hat und die ich Frau Fischer zu verdanken habe und dem, was sie in mir sah.

Selbst als mich das Leben in die Ferne nach Japan verschlug, blieben wir über meine Schwester, die nun ebenfalls in festem Austausch mit ihr stand, und den einen oder anderen Anruf in herzlichem Kontakt.

Auf einer Lesung des Verlages in Gera trafen wir uns dann endlich auch einmal wieder.

Auch nach unserer Zeit am Theater verfolgte Frau Fischer sehr angeregt und interessiert die Arbeit im Verlag, immer mit einem guten Rat, viel Lob und manchmal Kritik, die schließlich dazu führte, dass sie quasi als Mentorin fungierte.

In der bittersten Stunde meines Lebens, die voller Trauer und Verzweiflung war, spendete sie mir auf vielerlei Weise Trost, Hoffnung und Zuversicht.

Als sich dann die Möglichkeit ergab, dass eine der Verlagseigenen Publikationen etwas von Frau Fischer mittragen konnte, schloss sich für mich ein Kreis in unserer Arbeit:

Nachdem sie mich lange Jahre beschäftigt hatte, war es nun mir möglich etwas von ihr zu veröffentlichen.

In der 2. Ausgabe des Spurenmagazins erschienen ihre, an die japanischen Haikus angelehnten, Verse, voller Freude auf unser aller Seiten.

Das Heft begleitete sie bis nach Berlin, ihrem letzten Wohnort.

Voller Bestürzung vernahmen wir dann die traurige Kunde ihrer plötzlichen Krankheit. Und dann ging es leider viel zu schnell, bis Frau Fischer ihr Leben in dieser Welt verließ, wovon wir kurz danach erfahren haben.

Es bleibt ein bitterer Geschmack, angesichts der Vorgänge in der Gesellschaft und dem Zwang medizinischer Vorsorge, ohne wirkliche Beweise über deren Harmlosigkeit für Leib und Leben.

Seit der ersten Begegnung sind über 20 Jahre vergangen, die wir ein Stück unserer Lebenswege gemeinsam gegangen sind.

Wir sind ratlos und finden nur schwer die richtigen Worte, wenn ein lieber Mensch aus dem Leben scheidet, und kaum Trost in irgendeiner Sache.

Uns bleibt nur die Erinnerung und der Wunsch das Andenken aufrecht zu erhalten.

Und genau das wollen tun!

Voller Dankbarkeit und in Trauer, von ganzem Herzen verbleiben wir in stiller Trauer und liebevoller Erinnerung.

R. Rehahn & Manuela Rehahn, im Mai 2022...



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